5 Kontraindikationen, Komplikationen und Nebenwirkungen

8-22Die am meisten gefürchtete aber zum Glück seltene Komplikation ist die iatrogene Infektion. Das Risiko dafür wird trotz Einhalten einer korrekten Technik und unter Berücksichtigung von Patientenfaktoren (Immunsuppression, Diabetes, vorgeschädigtes Gelenk etc.) je nach Literatur auf ca. 1:40'000 geschätzt. Weitere, sehr seltene Nebenwirkungen sind allergische (im Extremfall anaphylaktische) Reaktionen (in aller Regel gegen Lokalanästhetika), Blutungen oder Nervenverletzungen. Durch hrMSUS gesteuerte Infiltrationen können letztere Risiken deutlich reduziert werden. Gelegentlich kann es durch die Infiltration zu vasovagalen Reaktionen kommen, weshalb wenn möglich eine liegende Position der Patienten zu bevorzugen ist.  

Starke Schmerzen sind in aller Regel Folge einer ungenügenden Infiltrationsstechnik bei z.B. Verwendung von zu viel Volumen für kleine Gelenke.

Durch die kristallinen Depotsteroidpräparate kann bei sehr oberflächlicher Injektion eine vorübergehende lokale Depigmentierung der Haut oder eine Atrophie des subkutanen Gewebes entstehen. Sehr selten sind bei oberflächlichen Infiltrationen lokale Hautnekrosen, die mitunter dann aber einer chirurgischen Intervention bedürfen.

Bei wiederholten Infiltrationen können selten Verkalkungen in den Weichteilen entstehen. Weiter zu beachten ist die Gefahr von Sehnenrupturen, insbesondere bei versehentlich ungezielter intratendinöser Infiltration, insbesondere bei vorgeschädigter Sehne.

Etwas häufiger können dosisabhängig systemische Steroid(neben)wirkungen auftreten: gelegentlich Gesichtsrötung mit Hitzegefühl und Unruhe in den ersten 1-2 Tagen, passagere Blutzuckererhöhung bei Diabetikern, vorübergehend leichte Blutdrucksteigerung oder Herzklopfen, selten Wasserretention, sehr selten gynäkologische Zwischenblutung oder Psychosen.

Systemische Nebenwirkungen wie bei einer Langzeitsteroidtherapie (also etwa Cushingsyndrom, Gewichtszunahme, Osteoporose, Katarakt etc.) sind nur bei vielfachen (in der Regel nicht indizierten repetitiven) Steroidinfiltrationen zu erwarten. Tabelle 6 fasst Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen aus Sicht der Autoren zusammen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmassnahmen

Vor Infiltration

  • Keine Steroide bei Verdacht auf Infektion (z.B. Harnwegsinfekt, unklares Fieber, starke „Erkältung“)
  • Kontraindikationen: V.a. Septische Arthritis, Bursitis oder Tenosynovitis
  • Cave bei schlecht eingestelltem Diabetes mellitus oder schlecht eingestellter arterieller Hypertonie
  • Bereithalten von Adrenalin resp. Epi-Pen
  • Ausschluss einer Allergie auf Lokalanästhetika oder eventuelle Zusätze
  • Antikoagulation: relative Kontraindikation, d.h. individuelles Abwägen von Nutzen der Infiltration gegenüber etwas erhöhtem Blutungsrisiko (und auch dem Risiko, die Antikoagulation vorübergehend aufzuheben).
  • Keine intraartikuläre Infiltration (1-)3 Monate vor geplanter Operation (z.B. Gelenksersatz)
  • Steroidinfiltration in Kunstgelenke kontraindiziert
  • Aufklärung des Patienten (Procedere, Nebenwirkungen, Wirkungslatenz der kristallinen Lösung), am besten schriftlich bestätigen lassen oder schriftlich dokumentieren

Nach Infiltration

  • Anschliessend 6-24h nicht duschen/baden
  • Nach einer Steroidinfiltration betroffenes Gelenk / resp. Region schonen (für 2-3  Tage bis 1 Woche), damit Depot an Ort bleibt (nachhaltigere Wirkung)
  • Nachkontrolle nach 1-2 Wochen  
  • Instruktion des Patienten, sich umgehend zu melden bei längerdauernder Schmerzzunahme und vor allem lokalen und/oder systemischen Entzündungs-/Infektionszeichen (Fieber, Schmerzen, Rötung, Schwellung, Eiter ...usw.)

Tab. 6