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Schulter

Angewandte Anatomie

Schulterschmerzen und Aufnahme der Krankheitsgeschichte

Schulterschmerzen sind ein häufiges Symptom mit diversen Ursachen. Die Schmerzen können vom Akromioklavikular-Gelenk (AC), Glenohumeral-Gelenk (GH), oder periartikulären Strukturen ausgehen, oder sie können von der zervikalen Wirbelsäule, dem Plexus brachialis, Thoracic outlet oder infradiaphragmatischen Strukturen ausstrahlen. Wichtige Punkte in der Krankheitsgeschichte sind Alter, Händigkeit, berufliche und sportliche Aktivitäten bei denen es zu schwerem Heben oder repetitiven Bewegungen über dem Kopf kommt, Traumata in der Vorgeschichte, Zeitpunkt des Beginns, Lokalisation, Charakter, Dauer, Ausstrahlung der Schulterschmerzen, verbessernde und verschlimmernde Faktoren, Anwesenheit von Nacht-Schmerzen, sowie der Effekt auf die Schulter-Funktion.


Häufige Erkrankungen der Schulter

Rotatorenmanschetten-Pathologie

Das Spektrum der Rotatorenmanschetten-Pathologie reicht von milder Rotatorenmanschetten-Tendinopathie zu teilweiser oder kompletter Ruptur der Rotatorenmanschette. Wenn sich die Ruptur vergrössert, kann sich eine massive Rotatorenmanschettenruptur (>5 cm) entwickeln. Das kann dazu führen, dass sich der Humeruskopf nach proximal verschiebt und es zu einer sekundären GH-Osteoarthritis (Manschettenruptur-Arthropathie) kommt.

Zu den auslösenden Faktoren gehören repetitives low-grade Trauma oder ungewohnte Aktivitäten, übermässige Haltung der Hände über dem Kopf beim Sport oder bei der Arbeit, fehlendes Training, Altern, und eine Beeinträchtigung des Rotatorenmanschettenspalts durch Osteophyten auf der Unterseite des AC-Gelenks, eine Akromion-Form vom Typ 2 oder 3 oder ein Os acromiale (nicht-fusionierte akromiale Epiphyse).


Bizeps-Tendinitis

Eine Bizeps-Tendinitis ist oft das Resultat eines chronischen subakromialen Impingements, das in Verbindung mit einer Rotatorenmanschetten-Tendinitis und Rotatorenmanschettenrupturen auftritt. Eine primär isolierte Bizeps-Tendinitis ist selten und entwickelt sich als eine Überbeanspruchungs-Verletzung nach repetitiver Belastung der Sehne in gewissen Sportarten wie Gewichtheben oder Ballwerfen. Vordere Schulterschmerzen, die sich beim Heben der Arme über den Kopf, Schulter-Extension und Ellbogen-Flexion verstärken, sind das Haupt-Symptom. Es ist eine lokalisierte Druckdolenz über der Sehne in der Bizeps-Furche vorhanden, das Yergason-Zeichen ist positiv und der Speed-Test ist auch oft positiv. Eine passive Extension der Schulter oder eine resistierte Flexion des Ellbogens kann die Schmerzen manchmal auch reproduzieren. Zeichen eines chronischen Impingements und einer GH-Instabilität sind oft vorhanden. Eine Ruptur der langen Bizeps-Sehne ist mit einem positiven Popeye-Phänomen assoziiert.


Adhäsive Kapsulitis

Die adhäsive Kapsulitis, auch bekannt als frozen shoulder, ist durch eine progressive globale Restriktion der Schulterbewegungen gekennzeichnet und ist mit Schmerzen und funktioneller Behinderung assoziiert. Ein Zeitraum der Schulter-Immobilität ist der häufigste prädisponierende Faktor. Die Kapsulitis kann sekundär auf ein Schulter-Trauma, eine Rotatorenmanschetten-Tendinitis oder -Ruptur, Bizeps-Tendinitis, oder GH-Arthritis sein, oder sie kann mit Diabetes mellitus, Hypothyroidismus oder zerebrovaskulären Ereignissen koexistieren. Eine initiale Phase der Synovitis ist gefolgt von fibröser Verdickung und einer Kontraktur der kapsulären Falten, des axillären Recessus, des Rotatorenmanschetten-Zwischenraums und des korakohumeralen Ligaments.

Glenohumerale Instabilität

Akute Instabilität

Eine akute Schulter-Instabilität ist normalerweise die Folge eines traumatischen Ereignisses wie eines Falls, einer Sportverletzung oder einer Motorfahrzeug-Kollision. Mehr als 90% aller akuten Schulter-Instabilitäten sind anterior.

Wiederkehrende Instabilität

Die meisten Fälle einer wiederkehrenden Schulter-Instabilität entwickeln sich nach einer initialen traumatischen Schulter-Dislokation. Die Bankart-Läsion, eine traumatische Avulsion des anterioren inferioren glenoidalen Labrums, ist die Kernläsion in dieser Erkrankung.

Arthritis der Schulter

Sowohl entzündliche Arthritis wie die rheumatoide Arthritis als auch degenerative Arthritis wie die Arthrose können die Schultergelenke betreffen. Die entzündliche Arthritis kann die AC-, GH-, oder SC-Gelenke betreffen, was zu Schwellung und Druckdolenz der betroffenen Gelenke führen kann. Die Schulter ist schmerzhaft, mit einem eingeschränkten Bewegungsumfang in alle Richtungen. Andere Synovialgelenke des Körpers sind oft betroffen und die Behandlung ist normalerweise gegen die systemische Erkrankung gerichtet.

Neurologische Läsionen

Das Thoracic-Outlet-Syndrom ist oft durch eine Kompression des unteren Plexus brachials und der Arteria subclavia zwischen den Mm. scaleni oder einer zervikalen Rippe verursacht. Es ist mit Schulterschmerzen assoziiert, welche oft distal entlang der ulnaren Grenze des Vorderarms und der Hand ausstrahlen. Blässe, Kälte und Taubheit können auftreten, normalerweise im Ringfinger oder kleinen Finger. Das Adson-Manöver ist oft positiv: der ipsilaterale radiale Puls verschwindet, wenn der Patient die Schulter abduziert, extendiert und aussenrotiert und gleichzeitig tief einatmet und den Kopf maximal zur betroffenen Seite rotiert.

Eine akute Neuritis des Plexus brachialis (Brachial-Plexus-Neuropathie oder neuralgische Schulteramyotrophie) ist eine seltene Erkrankung, die durch ein plötzliches Auftretten von brennenden Schmerzen in Schulter und Oberarm gekennzeichnet ist, gefolgt von einer ausgeprägten Oberarm-Schwäche nach einigen Tagen, die mehrere vom Plexus brachialis versorgte Muskeln betrifft: supraspinatus, infraspinatus, deltoideus und manchmals biceps. Zu den diagnostischen Methoden gehören die Elektromyographie (EMG) und das MRI. Der Verlauf der Neuritis ist normalerweise eine allmähliche Erholung nach 3 bis 4 Monaten.


Die supraskapsuläre Nerveinklemmung ist charakterisiert durch tiefe Schmerzen im oberen posterioren Bereich der Skapula, verstärkt unter Schulter-Adduktion. Ausserdem tritt eine Abduktions- und Aussenrotations-Schwäche auf. Ursache ist eine Kompression des supraskapulären Nervs in der supraskapulären Rille. Repetitives Trauma aufgrund von vermehrten Bewegungen oberhalb des Kopfs kann das Syndrom ebenfalls verursachen.


Zerivkale Radikulopathie: verursacht durch eine zervikale Bandscheibenläsion, assoziiert mit Schmerzen in der Schulter, radikulären sensorischen Symptomen, motorischer Schwäche und Veränderungen der Reflexe. Radikuläre Schmerzen und/oder Parästhesien können durch den Spurling-Test und den Extensionstest der oberen Extremität reproduziert werden. Zu den diagnostischen Mitteln gehören Röntgenbilder der zervikalen Wirbelsäule, MRI und Nervenleitungs-Studien.


PubMed

UpToDate

Images


Web:

Shoulder Exam - OrthoBullets

Ultrasound Guided Injections

SchulterInfo.de (German)

Calcific Bursitis - MedicineNet

ShoulderDoc

Dislocated Shoulder - MayoClinic

Rund um die Schulter - Patientenbroschüre Rheumaliga Schweiz (German)