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Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen

  • Die rheumatische Erkrankung einer Frau sollte mindestens 3-6 Monate vor dem Wunsch nach einer Schwangerschaft gut unter Kontrolle gehalten sein.
  • Frauen mit einem niedrigen Risikoprofil können mit den übligen Besuchen beim Rheumatologen als Vorsorge überwacht werden. Diejenigen mit einem hohen Risikoprofil sollten sowohl durch den Rheumatologen als auch durch ein geburtshilfliches Team mit Erfahrung in Hochrisiko-Schwangerschaften überwacht werden.
  • Bis zu 50-75% der Patientinnen mit rheumatoider Arthritis (RA) erfahren im Laufe der Schwangerschaft eine Verbesserung.
  • Patientinnen mit systemischem Lupus erythematosus (SLE), die anti-Ro (SS-A) und anti-La (SS-B) Antikörper haben, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, dass ihre Kinder ein neonatales Lupus-Syndrom entwickeln.
  • Patientinnen mit SLE sollten eine Schwangerschaft nur dann anstreben, wenn ihre Erkrankung über mehr als 6 Monate gut kontrolliert war.
  • Hydroxychloroquin bietet mehr Vorzüge als Risiken beim Einsatz in einer schwangeren Patientin mit SLE.
  • Azathioprin ist das sicherste nichtbiologische Basistherapeutikum in Patientinnen, die zusätzliche immunsuppressive Therapie benötigen.

Schwangerschafts-assoziierte Erkrankungen können eine Exazerbation der rheumatischen Erkrankung imitieren: Errötung des Gesichts (imitiert ein SLE-Schmetterlingserythem), Präeklampsie und Eklampsie (imitieren Lupus nephritis, renale Krise bei Sklerodermie), HELLP-Syndrom (imitiert ein Aufflackern von SLE), untere Rückenschmerzen (imitieren eine Exazerbation von Spondylitis akylosans), gastroösophagealer Reflux (imitiert eine Verschlechterung von Sklerodermie), Arthralgie und Karpaltunnelsyndrom (imitiert eine Exazerbation von Arthritis).


Spondyloarthropathien

Die Fruchtbarkeit ist von den Sponyloarthropathien nicht beeinflusst. Das Outcome der Feten ist vergleichbar mit dem der allgemeinen Population. Der Verlauf einer Spondylitis ankylosans variiert während der Schwangerschaft (33% verbessern sich, 33% verschlechtern sich) und bis zu 60% erfahren postpartal eine Verschlechterung (v.a. untere Rückenschmerzen). Interessanterweise erfahren bis zu 50% der Patienten mit einer Psoriasis-Arthritis eine Verbesserung. Patienten mit einer schweren Rücken- und/oder Hüft-Erkrankung sollten bezüglich Machbarkeit einer Vaginalgeburt beurteilt werden.


Rheumatoide Arthritis

Die Infertilität ist in Patientinnen mit gut eingestellter RA nicht erhöht und abgesehen von den mit der Therapie assoziierten Risiken gibt es keinen signifikanten Anstieg der fetalen oder maternalen Komplikationen. Patientinnen mit einer aktiven Erkrankung während dem dritten Trimester haben öfter Frühgeburten und/oder in Bezug auf das Gestationsalter kleine Babies. In Patientinnen mit einer langjährigen RA sollte die Gelenkbeteiligung vor der Geburt beurteilt werden. Wenn die zervikale Wirbelsäule beteiligt ist, muss aufgepasst werden, dass der Nacken nicht hyperextendiert wird und bei signifikanter Hüft-Beteiligung ist eine Vaginalgeburt eventuell ausgeschlossen.

Systemische Sklerose

Wurde einst mit reduzierter Fertilität assoziiert, aber neuere Daten widersprechen dieser Ansicht. Einige (7-20%) Frauen durchgehen eine Verschlechterung der Erkrankung während der Schwangerschaft. Die am meisten gefürchtete Komplikation, eine renale Krise bei Sklerodermie, scheint während der Schwangerschaft nicht erhöht (2-3%) zu sein. Während der Schwangerschaft verbessern sich Raynaud-Symptome oft und gastrointestinaler Reflux und Arthralgien verschlechtern sich oft. Fetale Komplikationen wie Fehlgeburt (15%), Frühgeburt (25-40%) und intrauterine Wachstumsretardierung können auftreten. Patientinnen mit pulmonaler Hypertension haben eine hohe Rate von adversen maternalen und fetalen Outcomes und sollten eine Schwangerschaft vermeiden.


Pubmed

UpToDate


Web:

Rheumatology.org

British Society for Rheumatology - Article

Brigham Health

MotherToBaby