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Entzündliche Muskelerkrankungen

Kriterien nach Bohan und Peter:

  1. Polymyositis (PM) bei Erwachsenen
  2. Dermatomyositis (DM) bei Erwachsenen
  3. PM/DM, die mit Malignität assoziiert ist (12% aller Myositis-Patienten; 50% aller Myositis-Patienten über 65 Jahre)
  4. Kindheits-DM (juvenile DM)
  5. PM/DM, die mit anderen Bindegewebserkrankungen assoziiert ist (11-40% aller Myositis Patienten)
  6. Sporadische Einschlusskörpermyositis (sporadic inclusion body myositis, s-IBM) wurde vor Kurzem zu dieser Liste idiopathischer inflammatorischer Myopathien hinzugefügt und könnte mit 16-28% aller entzündlichen Myopathien eine der häufigsten sein.
  • Polymyositis und Dermatomyositis sind durch proximale Muskelschwäche, erhöhte Muskelenzyme und ein abnormales Elektromyogramm gekennzeichnet.
  • Zu den typischen Hautmanifestationen der DM gehören heliotroper Ausschlag, Gottron-Papeln und abnormale Nagelfalz-Kapillaren. Hautulzera und anti-155/140-Antikörper weisen auf das Vorhandensein einer assoziierten zugrundeliegenden Malignität hin.
  • Myositis-spezifische Autoantikörper können extramuskuläre Manifestationen, das Therapieansprechen und die Prognose vorhersagen.
  • Das Antisynthetase-Syndrom ist gekennzeichnet durch Myositis, interstitielle Lungenerkrankung (ILD), Arthritis, "mechanic's hands" und das Raynaud-Syndrom.
  • Einschlusskörpermyositis sollte in Patienten über 50 Jahren mit proximaler und distaler Muskelschwäche, neuropathischen Symptomen und schlechtem Ansprechen auf Steroid-Therapie in Betracht gezogen werden.

Haupt-Diagnosekriterien für PM/DM:

  • Proximale Motorschwäche: Schwäche tritt frühstens und schleichend über 3-6 Monate auf. Um den Schulter- und Beckengürtel und die Nackenflexoren tritt sie am stärksten auf.
  • Erhöhte Serum-Muskelenzyme: die Kreatinkinase (CK) ist in fast allen Patienten an irgendeinem Punkt im Verlauf der aktiven Erkrankung erhöht. Weitere Marker des Muskelschadens sind erhöhte Spiegel von Aldolase, Myoglobin, Aspartat- und Alanin-Aminotransferase (AST und ALT) und Laktat-Dehydrogenase (LDH). Myoglobinurie kann in aktiver Erkrankung beobachtet werden.
  • Abnormale neurodiagnostische Studien: Das Elekromyogramm (EMG) in PM/DM hat eine gute Sensitivität (85%), aber geringe Spezifität (33%). Es zeigt ein typisches, aber nicht spezifisches Muster aus:
    • erhöhte Ansatzaktivität mit spontanem Flimmern;
    • myopathische polyphasische Motor-Unit-Aktionspotentiale (MUAPs) von tiefer Amplitude und kurzer Dauer;
    • komplexe repetitive Entladungen. Nervleitungsgeschwindigkeits-Studien sind in den idiopathischen entzündlichen Myopathien normal, mit Ausnahme der Einschlusskörpermyositis, bei der sich parallel zur Myopathie eine neuropathische Erkrankung entwickeln kann.
  • Muskelbiopsie: sollte in den meisten Fällen durchgeführt werden, um die in Verdacht stehende Diagnose zu bestätigen.
  • Charakteristischer Ausschlag der Dermatomyositis: Eine Hautbiopsie zeigt eine Oberflächendermatitis ähnlich wie bei systemischem Lupus erythematosus (SLE).

Ein MRI-Scan des Muskels kann hilfreich sein, um die Muskelbiopsie zu steuern, mit einer Sensitivität von 96-100%. Bereiche von entzündetem Muskel weisen auf T2-gewichteten Bildern mit Fettsuppression (STIR-Bilder) ein erhöhtes Signal auf, nicht aber auf T1-gewichteten Bildern. In chronischer Erkrankung kann die MRI auf T1-gewichteten Bildern auch Fettdegeneration aufzeigen, welche sich unter Medikation selten verbessert.

Amyopathische Dermatomyositis

Gelegentlich tritt die Hautmanifestation einer DM ohne klinisch erkennbare Muskelbeteiligung auf. Dies wird als klinisch amyopathische Dermatomyositis bezeichnet (CADM). Über die Zeit entwickeln vermutlich die Hälfte oder mehr dieser Patienten eine Muskelerkrankung, aber bei einem signifikanter Anteil wird die Erkrankung auf die Haut beschränkt bleiben. Diese Form kann mit Malignität assoziiert sein, während andere Patienten extramuskuläre Manifestationen wie schnell progressive interstitielle Lungenerkrankung sogar in Abwesenheit einer Myositis entwickeln können. Über die Hälfte dieser Patienten haben anti-MDA-5 (anti-CADM-140) Autoantikörper.

Extramuskuläre oder extradermatologische Manifestationen von PM/DM

Konstitutionelle Symptome: Müdigkeit, niedriggradiges Fieber, Gewichtsverlust

Muskuloskelettal: Arthralgien/Arthritis (20-70%); assoziiert mit Antisynthetase-Antikörper-Syndrom

Pulmonal: interstitielle Lungenerkrankung (70% der Patienten mit Antisynthetase-Antikörpern); Aspirationspneumonie; Atemmuskelschwäche, pulmonale Hypertension

Gastrointestinal: Ösophagus-Dysmotilität (10-30%); Reflux aufgrund einer Schwäche des unteren ösophagealen Sphinkters (15-50%); rektale Inkontinenz aufgrund einer Schwäche des Sphinkter ani; intestinale Perforation infolge einer Vaskulitis (vorwiegend in juveniler DM)

Kardial: EKG-Abnormalitäten (Dysrhythmien, Leitungsblocks); Myokarditis

Vasuklär: Vaskulitis (juvenile DM), Hautulzera (juvenile DM); Livedo reticularis, Raynaud-Syndrom (20-40%)

Andere: Manifestion einer anderen Bindegewebserkrankung wenn PM/DM in "Überlagerungs"-Syndromen oder in Assoziation mit Mischkollagenosen auftritt.

Assoziation zwischen PM/DM und zugrundeliegender neoplastischer Erkrankung

Assoziierte Krebse sind in ca. 10-20% der erwachsenen (nicht juvenilen) Patienten mit PM/DM vorhanden und in über 50% der Patienten, welche PM/DM nach ihrem 65. Lebensjahr entwickeln. Die meisten haben DM (80%), der Rest PM (20%). Die Malignität ist in 68% seit Anbruch der Myositis oder innerhalb des ersten Jahrs vorhanden. Falls eine Assoziation mit einer Malignität besteht, tritt der Krebs fast immer innerhalb von 3 Jahren nach Ausbruch der Myositis auf. Zu den gemeldeten mit PM/DM assoziierten Krebsen zählen, unter anderem, Brust, Lunge, Pankreas, Magen, Kolon, Ovar und Hodgkin-Lymphom. Taiwanesische Patienten haben auch nasopharyngeale und zervikale Tumore.

--> Ulzerative Hautläsionen in erwachsenen DM-Patienten sind stark mit einer zugrundeliegenden Malignität assoziiert.

Myositis-spezifische Autoantikörper

AUTOANTIKÖRPER

ANITGEN

PRÄVALENZ PM/DM

KLINISCHE ASSOZIATION

HLA ASSOZIATION

Antisynthetase

Aminoacyl-tRNA-Synthetase

20% bis 50%

Antisynthetase-Syndrome

DRw52, DR3

Anti-SRP

Signal recognition particle

5%

Schwere, resistente PM

DRw52, DR5

Anti-Mi-2

Helikase-Komponente des Histon-Deacetylase-Komplex

5% bis 30%

Klassische DM

DRw53

Differentialdiagnose von Myopathien

Medikamenten- und Toxin-induzierte Myopathien (vor allem Statine, IFNα, D-Penicillamin, Colchicin, Amiodaron, Antimalarika, AZT, Alkohol, Kokain, Antimykotika, anti-TNF-Inhibitoren)
Infektiöse Myositis
Neuromuskuläre Erkrankungen Bakteriell (Staphylococcus, Streptococcus, Borrelia burgdorferi)
Muskuläre Dystrophien (z.B. Duchenne's) Viral (z.B. HIV, Adenovirus, Influenza)
Störungen der neuromuskulären Endplatte (z.B. Myasthenia gravis, Eaton-Lambert-Syndrom) Parasitisch (z.B. Toxoplasma, Trichinella, Taenia)
Denervierende Erkrankungen (z.B. amyotrophe Lateralsklerose) Metabolische Myopathien:
Glykogenspeichererkrankungen (z.B. Morbus McArdle oder Myophosphorylase-Mangel, Saure-Maltase-Mangel)
Abnormalitäten des Fettstoffwechsels (z.B. Carnitin-Mangel, Carnitin-Palmitoyl-Transferase-Mangel)
Endokrine Störungen (Hypothyroidismus, Hyperthyroidismus, Akromegalie, Cushing-Syndrom, Addison-Syndrom, Diverse) Mitochondriale Myopathien
Sarkoidose Ernährungsstörungen (Malabsorption, Vitamin D- und E-Mangel)
Andere rheumatische Erkrankungen (z.B. Polymyalgia rheumatica, Fibromyalgie, entzündliche Arthritiden, Vaskulitis)Elektrolytstörungen (Hypokalzämie und Hyperkalzämie, Hypokalämie, Hypophosphatämie)
Karzinomatöse Neuromyopathie Organversagen (Urämie, Leberversagen)
Akute Rhabdomyolyse Amyloidose

Pubmed

UpToDate

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Video


Web:

Focal muscular atrophies - Medscape

myositis.org

Dermatomyositis - NINDS NIH

Inflammatory Myopathy - NINDS NIH Inflammatory Myopathies

Myositis ossificans

Antibodies in Myositis

Cancer Therapy Advisor

Inclusion Body Myositis

Amyopathic dermatomyositis - NIH