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Blutsenkungsreaktion, BSR (Erythrozytensedimentationsrate, ESR)

Die Westergren-BSR ist eine Messung der Distanz in Millimetern, welche rote Blutkörperchen (RBC) in einem bestimmten Röhrchen über den Zeitraum einer Stunde fallen. Die BSR ist eine indirekte Messung der Veränderung der Akute-Phase-Proteinen und quantitativen Immunglobulinen. Akute-Phase-Proteine sind eine heterogene Gruppe von Proteinen (Fibrinogen, Haptoglobin, C-reaktives Protein, Alpha-1-Antitrypsin und andere), welche in der Leber als Antwort auf eine Entzündung synthetisiert werden. Interleukin-6 (IL-6), ein entzündliches Zytokin, ist ein wichtiger Mediator, welcher die Produktion der Akute-Phase-Proteine stimuliert. Jede Erkrankung, welche einen Anstieg in der Konzentration dieser asymmetrisch geladenen Akute-Phase-Proteine oder eine Hypergammaglobulinämie (polyklonal oder monoklonal) bewirkt, wird eine Erhöhung der BSR verursachen, indem sie die dielektrische Konstante des Plasmas erhöht. Dadurch werden die abstossenden Kräfte zwischen den RBC abgeschwächt und eine engere Aggregation der RBCs (z.B. Geldrollenbildung) bewirkt, wodurch sie schneller fallen und zu einem erhöhten Resultat der BSR führen. Alter, weibliches Geschlecht, Übergewicht, Schwangerschaft und möglicherweise Rasse sind nichtentzündliche Zustände, welche die Sedimentationsrate ebenfalls erhöhen können. Veränderungen in Anzahl, Grösse oder Form der Erythrozyten kann die Geldrollenbildung beeinträchtigen und dadurch die BSR beeinflussen. Die Normwerte variieren deshalb mit den Charakteristika der Patienten.

Eine grobe Faustregel für ein altersangepasstes ULN (upper limit of normal) für BSR (mm/h) ist:

  • Männlich: Alter / 2
  • Weiblich: (Alter + 10) / 2

Ursachen für extrem hohe oder tiefe BSR:

  • Deutlich erhöhte BSR (> 100 mm/h)
    • Infektion, bakteriell (35%)
    • Bindegewebserkrankung: Riesenzellarteriitis, Polymyalgia rheumatica, SLE, andere Vaskulitiden (25%)
    • Malignität: Lymphome, Myelome, andere (15%)
    • Andere Ursachen (25%)
  • Deutlich erniedrigte BSR (0 mm/h)
    • Afibrinogenämie/Dysfibrinogenämie
    • Agammaglobulinämie
    • Extreme Polyzythämie (Hämatokrit >65%)
    • Erhöhte Plasma-Viskosität

Ansatz zur Beurteilung einer erhöhten BSR:

  • Komplette Anamnese und körperliche Untersuchung, sowie Basislabor (Blutstatus, Chemie, Leberenzyme, Urinalayse). Es muss sichergestellt werden, dass die routinemässige Gesundheitsvorsorge aktuell ist. BSR wiederholen, um die Erhöhung zu bestätigen und einen Laborfehler auszuschliessen.
  • Wenn es danach keine klare Assoziation gibt, die folgenden Möglichkeiten in Betracht ziehen:
  • Die medizinischen Unterlagen durchschauen, um mit vorher erhaltenen BSR-Daten zu vergleichen und zu eruieren, wie lange die BSR-Werte schon erhöht sind.
  • Serumelektropherese, Fibrinogen und CRP nach Hinweisen auf eine Akute-Phase-Reaktion, sowie zum Ausschluss eines Myeloms oder einer polyklonalen Gammopathie überprüfen.
  • Falls weiterhin keine offensichtliche Erklärung vorliegt, die BSR in 1-3 Monaten erneut kontrollieren. Bei bis zu 80% der Patienten wird sie sich normalisieren. Falls die BSR erhöht bleibt, den Patienten auf andere Symptome oder Zeichen einer Erkrankung überwachen.

Pubmed

UpToDate

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Web:

Medlineplus

med4you (German)

Medscape

MayoClinic


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