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Ellbogen und häufige Störungen des Ellbogens

Angewandte Anatomie

Das Ellbogen-Gelenk dient sowohl als Scharnier- als auch als Drehgelenk und bietet dadurch eine stabile Verbindung zum Heben, Stossen oder Greifen, und um die Hand im Raum zu positionieren. Das Scharnier wird durch die Articulationes humeroulnaris (trochleoulnar) und humeroradialis (capitelloradial) am Ellbogen-Gelenk gebildet. Das Humeroulnar-Gelenk ist das Hauptgelenk und das Drehgelenk wird durch das proximale radioulnare Gelenk gebildet. Diese drei Gelenke teilen sich eine gemeinsame Synovialhöhle.

Die Stabilität des Ellbogens hängt von der Kongruenz der artikulierenden Knochen, der anterioren Kapsel, der Ligamente und der umgebenden Muskeln ab.

Die gemeinsame Flexorsehne des Ellbogens (Pronator teres, Flexor carpi radialis, Palmaris longus, Flexor digitorum superficialis und Flexor carpi ulnaris) nimmt ihren Ursprung vom medialen Epicondylus und dem suprakondylären Kamm des Humerus. Die gemeinsame Extensorsehne (Extensor carpi radialis longus und brevis, Brachioradialis, Extensor digitorum communis, Extensor carpi ulnaris und Anconeus) nimmt ihren Ursprung vom lateralen Epicondylus, dem suprakondylären Kamm und dem distalen Humerus. Die Bizepssehne überquert das Ellbogen-Gelenk und setzt an den Tuberositas radii an.

Der Nervus ulnaris verläuft in einer knöchernen Vertiefung hinter dem medialen Epicondylus. Die Bursa olecrani, ein subkutanes Kissen am Processus olecrani, ist mit Synovium ausgekleidet, aber anatomisch vom Ellbogen-Gelenk getrennt.

Volle Ellbogen-Extension, die neutrale (anatomische) Position, ist als 0° definiert.

Bei voller Extensions-Stellung des Ellbogens, gibt es normalerweise eine leichte Valgus-Abwinkelung des Unterarms in Bezug auf den Humerus. Diese Abwinkelung, auch Tragwinkel genannt, tritt aufgrund der schrägen Form der Trochlea auf und ist normalerweise ~5-10° bei Männern und ~10-25° bei Frauen. Durch diesen Winkel wird beim Gehen die Hüfte nicht getroffen, wenn der Arm schwingt; ausserdem ist er wichtig, um Objekte seitlich zu tragen, ohne die Schulter abduzieren zu müssen. Eine exzessive Abweichung des Unterarms vom Körper weg wird als Cubitus valgus bezeichnet, eine Abweichung des Unterarms zum Körper hin als Cubitus varus.

Normale Flexion des Ellbogens ist von 0° bis 160°. Jegliches Defizit der vollen Extension wird als Flexions-Kontraktur bezeichnet. Die Mm. brachalis, biceps und brachioradialis sind die primären Flexoren des Ellbogens und der grosse, kräfte M. triceps und der kleine, relativ schwache M. anconeus sind die Extensoren. Für normale Aktivitäten wird ein minimaler totaler Umfang der Ellbogen Flexion-Extension von ca. 100° benötigt.

Ellbogen-Schmerzen können durch eine Anzahl von Erkrankungen ausgelöst werden, darunter periartikulären (z.B. Olecranon-Bursitis, laterale und mediale Epicondylitis), artikulären (z.B. Arthritis, Gicht und Pseudogicht, rheumatoid, psoriatisch, Arthrose), knöchernen (Fraktur und Dislozierung) oder neurologischen Problemen (Kubitaltunnelsyndrom, Radikulopathie).

Bei der Beurteilung von Ellbogen-Schmerzen liegt der Schwerpunkt auf der Beantwortung von drei wichtigen Fragen: Gibt es einen Hinweis auf wesentliches Trauma oder Verletzung? Können die Symptome und Zeichen durch ein lokales, auf den Ellbogen beschränktes Problem adäquat erklärt werden? Gibt es Hinweise auf einen allgemeineren artikulären Prozess, bei dem der Ellbogen mitbeteiligt ist, oder auf einen neurologischen Prozess mit übertragenen Symptome des Ellbogens von einer anderen Stelle?

Eine gute Merkhilfe zum Charakterisieren der Schmerzen an praktisch jeder Stelle ist OPQRST: O = Onset (Beginn), P = Präzipitierende (oder verbessernde) Faktoren, Q = Qualität, R = Radiation (Ausstrahlung), S = Schwere, T = Timing.

Häufige Erkrankungen

  • Die Extensoren-Oberfläche des Ellbogens ist eine der häufigsten Stellen für Rheumaknoten. Es ist auch eine der häufigsten Stellen für kutane Psoriasis.
  • Muskuloskelettale Beschwerden in Patienten mit Psoriasis werfen die Frage auf, ob der Patient psoriatische Arthritis haben könnte.
  • Das klinisch dringlichste Problem in Bezug auf die Bursa ist eine septische Olecranon-Bursitis.
  • Eine Schwellung des Ellbogen-Gelenks im Kontext einer akuten Verletzung oder eines wesentlichen Traumas sollte unmittelbar einer umfänglichen orthopädischen Begutachtung für Fraktur oder Dislozierung unterzogen werden.
  • Patienten mit lateraler Epicondylitis (Tennisellbogen) beschweren sich normalerweise über lokalisierte Schmerzen und Druckdolenz am lateralen Epicondylus, oft begleitet von einem mild schmerzenden Unbehagen im proximalen Unterarm.
  • Mediale Epicondylitis (Golferellbogen) ist weit seltener als laterale Epicondylitis. Wie der Tennisellbogen ist es auch nicht primär ein Problem des Ellbogens; stattdessen bezieht es sich auf ein Übernutzungs-Syndrom durch repetitive Belastung der gemeinsamen Flexor-Sehne, welche sowohl bei der Unterarm-Pronation als auch der Handgelenks-Flexion beteiligt ist.
  • Ein Kubitaltunnelsyndrom tritt aufgrund einer Einklemmung des Nervus ulnaris in seiner Furche hinter dem medialen Epicondylus auf. Es ist charakterisiert durch Schmerzen des medialen Ellbogens und Parästhesien entlang der ulnaren Seite des Unterarms bis hin zum Ringfinger und kleinen Finger.

PubMed

UpToDate

Images


Web:

Objective Evaluation - Morphopedics

Lateral Epicondylitis - Medscape

Epicondylitis - BMJ


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